Nicht nur geistiger Durchfall

19 Mrz

Bei Stefan Niggemeier geht es heute um einen Artikel von Harald Martenstein im Qualitätsmedium „Zeit“, in dem er in etwa sagt, dass Transsexuelle sich halt mit den Toiletten nicht so haben und bei dummen Fragen sich einfach mal selbst verleugnen sollen und sagen, das andere Klo sei kaputt. Ist doch ganz einfach, und kostet auch nichts. Warum das intoleranter Unfug ist, hat Stefan schon gut erklärt. Mich interessiert etwas anderes: Wenn das Problem besteht, dass Trans- und Intersexuelle sich unwohl fühlen, weil sie beim Toilettengang ein Geschlecht wählen müssen – warum schaffen wir das mit den getrennten Toiletten nicht einfach ganz ab?Ich verstehe es nicht wirklich, warum man nach Geschlechtern getrennte Toiletten braucht. Genauso wie bei Umkleidekabinen. Das ist auch schon wieder so supremazistischer (gibts das Wort auf deutsch?) Bullshit, der davon ausgeht, dass alle heterosexuell sind. Und sich außerdem keiner schämt, sich vor Angehörigen desselben Geschlechts auszuziehen. Gut, Sammelumkleiden und -duschen sind meiner Ansicht nach grundsätzlich Mist. Kommen wir also zu den Toiletten zurück. Da ist es sogar noch sinnloser als bei den Umkleiden, weil schließlich jeder in seine eigene Kabine gehen und einem keiner dabei zusehen kann. Ob jetzt neben mir ein Mann oder eine Frau auf der Schüssel sitzt, ist mir doch egal, und ich sehe nicht, warum das nicht auch allen anderen egal sein sollte. Außerdem ist es dann kein Problem mehr, wenn Väter mit ihren kleinen Töchtern oder Mütter mit ihren kleinen Söhnen zusammen auf die Toilette gehen. Sicher wurde das immer toleriert, aber man fühlte sich vermutlich unwohl.

Ich sehe wirklich gar nichts, dass dagegen spräche, höchstens sexuelle Übergriffe, aber die können schließlich überall passieren, und ein Vergewaltiger kann sich genauso gut im Frauenklo verstecken. Oder vielleicht Vorurteile, wie etwa, dass Männerfürze mehr stinken oder Männer nie die Klobrille runterklappen oder danebenpissen oder sonstwas. Aber das sind schließlich Probleme, die dann auch andere Männer betreffen und damit wieder keine Rechtfertigung für eine Trennung sind.

Manchmal regt es mich echt auf, wie rückständig unsere angeblich so moderne und tolerante Gesellschaft immer noch ist, und damit meine ich nicht mal diese ewig Gestrigen, die Homosexualität abartig und widernatürlich finden, damit meine ich diese ganz tief verwurzelten Dinge wie das Inzest- und Polygamieverbot und natürlich die Geschlechtertrennung auf Toiletten, das, was alle immer noch für selbstverständlich und dem gesunden Menschenverstand entsprechend halten. Denn, um einen Kommentator bei Niggemeier zu zitieren: Auf dem Klo sind wir alle gleich.

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3 Antworten to “Nicht nur geistiger Durchfall”

  1. Triffels 20. April 2013 um 23:04 #

    Theoretisch kann ich Deinem Artikel nur zustimmen. In der Praxis allerdings ist es (für mich als Frau) abstoßend widerlich, zusammen mit einem dieser krankhaft perversen, notgeilen $%§8$/ aus meinem Alltag auch noch auf Toilette gehen zu müssen. (‚Tschuldigung für die Ausdrucksweise, aber wenn ich an diese *** denke, wird mir immer übel.)

    • Hardcore Tristesse 21. April 2013 um 00:06 #

      Ja, das ist durchaus verständlich. Ich scheine manchmal zu vergessen, wie beschissen die meisten Leute doch sind.

  2. Muriel 19. März 2013 um 20:52 #

    Mot.

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