Drauflosgebloggt (2): Wer seine Kronjuwelen auf dem Kopf trägt, hat es nicht besser verdient

12 Mrz

Es ist Dienstag, und das bedeutet: Zeit für „Drauflosgebloggt“! Mal sehen, was für wunderbare Artikel Wikipedia heute bereithält …

Ashman.

Eine Übersichtsseite. Ich denke, dass ich als Regel einführe, dass nur vollwertige Artikel zählen. Also auf ein neues:

Russische Kronjuwelen.

Na, damit lässt sich doch was anfangen! (Einen vulgären Witz kann sich hier bitte jeder selbst ausdenken).

Über die Zaren weiß ich nicht besonders viel. Ich werde mich also lieber mit den Kronjuwelen beschäftigen.

Kronjuwelen sind natürlich ein Machtsymbol. Und wie alle exzessiv zur Schau getragenen Macht- und Reichtumssymbole kann das gefährlich sein. Gerade in Ländern wie dem Russland der frühen Neuzeit, wo die Bevölkerung arm ist, finde ich es ziemlich dreist, sich in edle Felle zu hüllen und sich einen Hut aus Gold mit Edelsteinen dran aufzusetzen, anstatt was von dem Reichtum abzugeben. Jetzt ist es natürlich auch so, dass viele Menschen, die in so einer Ständegesellschaft aufwachsen, diese als ganz normal betrachten und es daher nur richtig finden, dass der König eben die Macht und den Reichtum hat (und weil es natürlich auch von Gott so gewollt ist, und dann kann man ja eh nichts mehr daran ändern). Wenn die Menschen allerdings anfangen nachzudenken, kommen sie recht schnell zu der Erkenntnis, dass niemand durch seine bloße Abstammung das Recht hat, über andere zu bestimmen, und derjenige zumindest für diese Aufgabe geeignet sein sollte. So ging es schließlich auch den russischen Zaren.

Aber schließlich haben nicht nur adlige Herrscher Machtsymbole, wenn auc hauptsächlich (ich zähle darunter jetzt mal nur Kleidungsstücke und dergleichen, die keinen praktischen Zweck erfüllen). So ein offensichtliches Machtsymbol ist nie konstruktiv, es soll Kritik abwürgen, es sagt: „Schau her, ich hab die Krone, ich bin hier der Boss“. Nicht nur in Demokratien sind Regierungschefs allerdings Volksvertreter. Und als solche sollten sie sich nicht über dieses erheben. Meiner Meinung nach ist nicht einmal die komische Anzug-und-Krawatte-Kultur nötig, die wir heute meist in der Politik vorfinden. Warum sollte sich nicht jeder Volksvertreter so kleiden, wie er sich wohlfühlt? Das würde viele gleich viel sympathischer machen – dieser ewige Haufen Anzugträger wirkt irgendwie suspekt.

Und am Rande: Der gegenteilige Weg ist auch nicht zu empfehlen, auch wenn er nicht besonders oft vorkam. Ich kenne nur ein Beispiel: meinen Liblingsdiktator, Pol Pot (Lieblingsdiktator, weil seine ganze Regierung irgendwie derart krass und unwirklich war, dass es einen gruselt). Alle hatten den gleichen Haarschnitt und die gleiche Kleidung, und die Regierung nannte sich nur „Die Organisation“, und niemand wusste, wer im Land das Sagen hatte. Da wurde wahrlich nicht geprotzt, aber das war auch bescheuert, selbst wenn es sonst keine Probleme gegeben hätte.

Das wars auch schon für heute. Schalten Sie nächste Woche wieder ein.

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2 Antworten to “Drauflosgebloggt (2): Wer seine Kronjuwelen auf dem Kopf trägt, hat es nicht besser verdient”

  1. Muriel 12. März 2013 um 22:41 #

    Ja, Macht ist so eine Sache. Ich denke oft darüber nach (und trotzdem kam das noch nie so richtig in einer meiner Geschichten vor, fällt mir gerade ein), wie irritierend das Leben für einen klugen König früher gewesen sein muss. Zu wissen, dass all diese Menschen um ihn herum ihm ohne vernünftigen Grund gehorchen, einerseits keine Zweifel zeigen zu dürfen, weil genau das ja seine Autorität untergraben würde, andererseits aber sich darüber bewusst zu sein, dass diese Autorität eigentlich gar kein Fundament hat, und dass jederzeit einer von diesen grimmigen Gesellen die paar Stufen zu seinem Thron hochklettern und ihm das Genick brechen kann, wenn er irgendwas tut, was ihnen nicht passt… Brrr.
    Aber andererseits

    Wenn die Menschen allerdings anfangen nachzudenken, kommen sie recht schnell zu der Erkenntnis, dass niemand durch seine bloße Abstammung das Recht hat, über andere zu bestimmen, und derjenige zumindest für diese Aufgabe geeignet sein sollte.

    Recht schnell hier eher im kosmischen Sinne.
    Und auf die Erkenntnis, dass auch niemand durch den Beschloss von 10, 30 oder 85% einer bestimmten Gruppe von Menschen das Recht erwerben kann, über alle anderen zu bestimmen, warten wir noch bis heute vergeblich.

    • Hardcore Tristesse 13. März 2013 um 00:15 #

      Interessanter Gedanke. Allerdings frage ich mich dann auch, ob so einem König das tatsächlich bewusst war. Ich könnte mir gut vorstellen, dass das für den genauso selbstverständlich war wie für alle anderen eben auch.

      Recht schnell hier eher im kosmischen Sinne.

      Was das betrifft … wie gesagt, sobald sie darüber mal nachdenken. Dann ist das eigentlich eine ganz leichter Erkenntnis. Aber dazu muss es eben erst mal kommen. Kann dann aber auch ziemlich schnell gehen.
      Wie war das noch – die Demokratie ist die schlechteste Staatsform außer allen anderen? Ich sehe das auch so – es ist nicht das Wahre, aber was Besseres fällt mir auch nicht ein, jedenfalls nichts grundsätzlich anderes.

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